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Improvisieren – Ein Buch mit sieben Siegeln?

So kann jeder lernen zu improvisieren:

Ist das freie Spiel für dich ein Buch mit sieben Siegeln?

Improvisation ist nur etwas für Profis. Das ist eine weit verbreitete Meinung und selbst diejenigen, die wissen, dass man das Improvisieren lernen kann, haben oft Berührungsängste. Woran liegt das?

Darum klappt es oft nicht:

Im musikalischen Alltag sind wir ständig mit dem Notenlesen beschäftigt. Spielen wir in einem Posaunenchor, im Blasorchester oder in der Brassband, geht es in der Regel darum, den Notentext so exakt wie möglich in Musik umzusetzen. Fehler sind schlecht und müssen, so weit es möglich ist, vermieden werden. Wenn wir nun ans Improviseren mit der gleichen Geisteshaltung herangehen, verfallen wir in eine Angstlähmung, die dafür sorgt, dass wir am Ende keinen Ton mehr herausbekommen.

Ein zweites Problem ist die fehlende Kenntnis der nötigen theoretischen Grundlagen. Dabei geht es nicht darum, auf jeden Grundton jeden beliebigen Akkord mit allen möglichen Optionstönen bilden zu können. In der Regel reicht es schon zu wissen, in welcher Tonart das Stück gespielt wird und welche Vorzeichen man dabei beachten muss.

Wie kann ich anfangen? – Weniger ist mehr!

Jede Tubisten und jeder Tubist beginnt am Anfang mit einem Ton, dann kommt ein zweiter dazu. Nach zwei bis drei Wochen können wir fünf Töne spielen und nach einem halben Jahr mindestens eine Oktave sicher.

Genauso solltest du auch beim Improvisieren vorgehen. Spiele mit dem Grundton der Tonart und improvisiere damit. Das geht nicht? Doch! Du kannst mit Dynamik, Rhythmus und Phrasierung schon mit einem Ton Musik machen. Nimm dann die Quinte hinzu, als nächstes vielleicht die Sekunde oder die Terz. Oder spiele die Grundtöne aller Akkorde, die in einem Lied vorkommen.

Wichtig ist, dass du dir keinen Kopf machst, wenn etwas schief geht. Der nächste Ton kann schon wieder so klingen, wie du ihn dir vorstellst.

So improvisieren die Profis:

Hörst du einem Jazzprofi beim Improvisieren zu, merkst du, dass er nicht mehr darüber nachdenkt, was der Grundton ist und welche Töne dazu passen. Für Musiker, die regelmäßig frei spielen, ist das Musizieren genauso leicht, wie für dich das sprechen. Doch wie kommt man da hin? Die Antwort ist wenig überraschend: Üben, üben und nochmals üben. Und zwar Tonleitern und Akkorde. Und zwar, bis die Skalen, Drei- und Vierklänge ‘in den Fingern’ sind. Dann müssen diese Tonleitern nicht mehr bewusst gespielt werden, sondern laufen völlig automatisch, so wie du wahrscheinlich nicht jeden morgen darüber nachdenken musst, mit welchem Fuß du zuerst aufstehst.

Das kannst du daraus lernen:

Jeden Tag zu jedem Grundton über 2-3 Oktaven die Dur- und Molltonarten, alle 7 Kirchentonarten, Pentatoniken und Bluestonleiter, drei-, vier und fünfstimmige Akkorde pauken. Das schaffst du nicht? Dann konzentriere dich aufs Wesentliche und wechsle dich in deinem Übeprogramm ab. Wenn du die Dur- und Molltonleitern abwechselnd übst, dann hin und wieder die Bluestonleiter und Pentatoniken, ist es gar nicht so schwer und du kommst mit 15-20 Minuten am Tag auf ein ordentliches harmonisches Grundverständis. Und genau wie bei allem anderen solltest du auch hier zuerst kleine Brötchen backen. Lerne zuerst die Durtonleitern auswendig, dann die Molltonleitern. Wiederhole das, bis es wirklich sitzt. Fange dann mit Dreiklängen an oder mit Pentatoniken, je nach dem wie du es willst.

Du kannst dich natürlich auch einfach am tatsächlichen Bedarf orientieren. Spielt ihr im Blasorchester einen Dixie in Es-Dur und du willst ein cooles Tubasolo hinlegen, schaue dir die entsprechenden Tonarten (Es, B und As) genauer an.

Mehr dazu:

Wie du mit der Bluestonleiter improvisieren kannst, zeige ich dir in diesem Video:

Alle Dur- und Molltonleitern kannst du in diesem Kurs lernen:

Jazzbegleitungen kannst du in diesem Buch lernen:

 

 

 

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